Im Jahr 1991 kaufte der US-Amerikaner Douglas Tompkins, der Chile seit 1961 immer wieder besucht hatte, das Landgut Fundo Reñihué, um dessen 17.000 Hektar gemäßigten Regenwalds vor einer möglichen Ausbeutung zu schützen. Bis heute hat die Stiftung The Conservation Land Trust noch weitere 300.000 Hektar des angrenzenden Landes erworben und so den Pumalín-Park geschaffen. Dieser Besitz ist am 19. August 2005 zum Santuario de la Naturaleza erklärt worden, eine spezielle chilenische Auszeichnung, die in diesem Gebiet zusätzlichen Umweltschutz vorsieht, weshalb sich dort keine Industrie ansiedeln darf. Die Umweltschutzstiftung The Conservation Land Trust mit Sitz in den Vereinigten Staaten hat dieses Land der Fundación Pumalín, einer chilenischen Organisation, übergeben, die es als eine Art Nationalpark mit uneingeschränktem Zugang der Öffentlichkeit verwalten und weiterentwickeln soll, unter der Leitung einer Privatinitiative.

Die chilenischen Umweltschutzgesetze unterstützen diese Art von Privatinitiative, obwohl die Stiftung keinerlei finanzielle Hilfe durch den chilenischen Staat erhält. Da dies in Chile eine neue Art von Umweltengagement ist, sah sich das Projekt mit einem gewissen politischen Widerstand konfrontiert, besonders von denjenigen, die nicht verstehen, wie eine Privatinitiative für den Umweltschutz funktionieren soll. Nichtsdestotrotz hat sich langsam aber sicher Vertrauen entwickelt, sowohl auf lokaler wie auch auf nationaler Ebene, und das Projekt schreitet weiter voran, für die Öffentlichkeit zugänglich, wie es ursprünglich auch gedacht war. So wird die touristische Infrastruktur unter Einhaltung strenger Regeln zum Erhalt der Natur weiter entwickelt, ähnlich den Angeboten, die es auch in anderen Nationalparks weltweit gibt. Es wurden Wanderwege, Zeltplätze, Informationszentren, Cafés, Restaurants und Blockhütten eingerichtet sowie Ausflugsziele zu Land und zu See erschlossen. Tausende Besucher haben diese Angebote schon in Anspruch genommen.

Das Projekt hat sich im Verlauf der Jahre schrittweise entwickelt und es gibt unter anderem nichtuniformierte Parkranger, die das an das Santuario angrenzende landwirtschaftlich genutzte Gebiet verwalten. Diese kleinen Flächen, die für landwirtschaftlichen Anbau, Viehzucht, Käseproduktion, ökologischen Gemüseanbau und die traditionelle Herstellung von Wollstoffen genutzt werden, sind gleichzeitig Stationen in den verschiedenen Teilen des Parks, die als Informationszentren für die Besucher fungieren. Auf diese Weise möchte man die Erhaltung der Natur und die heimische Wirtschaft gleichermaßen fördern, daher ist man sich auch bewusst, dass die Besitzer der an den Park angrenzenden Flächen in das Projekt miteinbezogen werden müssen, um so ein gemeinschaftliches Bewusstsein der Notwendigkeit zu schaffen, die unberührte Natur und die Artenvielfalt zu schützen. Dieses Bewusstsein ist aus kulturellen und geschichtlichen Gründen oft nicht vorhanden. Hierbei handelt es sich zwar um einen langfristigen, langsamen und aufwändigen Prozess, aber er ist entscheidend, wenn man nachhaltig leben und wirtschaften möchte.

Ein weiteres Ziel besteht darin, sowohl Chilenen als auch Besuchern aus anderen Ländern die Möglichkeit zu bieten, eine ursprüngliche Natur zu erleben und ihnen so deren Schönheit und Zauber bewusst zu machen. Damit soll ihnen die Notwendigkeit vor Augen geführt werden, die Umwelt auch im Alltag zu schützen.

Letztendlich hoffen wir, dass dieses Projekt als Modell für andere Privatinitiativen zum Erhalt der Umwelt dient, nicht nur auf dieser, sondern auch auf anderen Ebenen. Privates Umweltengagement ist für tausende Projekte weltweit verantwortlich, die sich dem Erhalt von Flora und Fauna, verschiedenen Lebensräumen, wie Feuchtgebieten, Wäldern, Grasland, Wüsten etc. widmen. Es heißt, dass es in Nordamerika nicht einen Nationalpark gibt, in dem privates Engagement, in welcher Form auch immer, keine Rolle gespielt hätte. Auch in Chile gibt es in letzter Zeit zahlreiche private Spenden, die dem öffentlichen Wohl zugute gekommen sind.

Diese Übersetzung aus dem Spanischen wurde von einer Gruppe Studierender der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft in Germersheim, im Rahmen des Studiengangs "Sprache, Kultur, Translation" angefertigt.